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Korrektur Aufsatz

Interpretation von lyrischen und kurzen narrativen Texten – Thomas Bernhard: „Eine Maschine“

Maschinen begegnen uns heutzutage überall im Alltag. Man findet sie überall in unterschiedlichen Formen: Vom Kopiergerät bis zur Fertigungsmaschinen in der Industrie. Es ist ganz einfach. Man legt im Copyshop seinen Text auf dem Kopierer und schon erhält man ihn in zehnfacher Ausführung. Es geht auch wesentlich schneller und einfacher als durch Menschenhand. Doch über die Folgen durch das Ersetzen der Menschheit durch gefühlslose Roboter haben sich bisher nicht viele Menschen Gedanken gemacht: In dem kurzen epischen Text „Eine Maschine“ von Thomas Bernhard kritisiert der Autor die Einengung der Menschheit durch Maschinen, welche sich sich schließlich bis zur Vernichtung derselben zuspitzt. Hierzu nutzt er eine Maschine, welche in einer Fabrik Gummimasse schneidet und darüber hinaus ein Mädchen köpft. Um seine Maschine zu charakterisieren nutzt der Autor zunächst die unbestimmten Artikel eine Maschine, welche auch in der Überschrift zu finden ist. Dies verleiht der Maschine eine Distanz zum Leser und entfremdet sie. Dadurch wird eine Unpersonalität aufgebaut, was die Maschine klar als menschenfremd kennzeichnet. Dies wird inhaltlich durch den Vergleich der Maschine mit der Guillotine, einem menschenvernichtenden Hinrichtungsinstrument zur Zeit der französischen Revolution, verstärkt. Der Vergleich lässt schon erste Schlüsse auf die Vernichtung der Menschheit durch Maschinen ziehen. Die Stücke, die von der Maschine abgeschnitten werden, müssen von Hilfsarbeiterinnen kontrolliert und verpackt werden. Allein das Wort „Hilfs…“ in Hilfsarbeiterinnen lässt sich auf eine Unterordnung der Menschen gegenüber der Maschine schließen, was der Maschine Macht verleiht. Diese Macht „nutzt“ die Maschine nun um den Menschen ein indirekten Gefühl zu geben Sie „(haben) die abgeschnittenen Stücke in Kartons „zu verpacken“. Dies ist ein erweiterter Infinitiv mit zu, welcher hier als Form des Imperativs fungiert. Somit drückt der Autor die indirekte Beherrschbarkeit des Menschen durch Roboter aus. Trotzdem ist die Maschine nicht in der Lage ihre gefertigten Stücke zu kontrollieren, so dass sie von Menschenhand überprüft werden müssen. Damit drückt der Autor die gefühlsmäßige Überlegenheit des Menschen im Vergleich zur Maschine aus und zeigt so die Nachteile der Maschine auf. Nun erfolgt eine Rückblende zur Einweihung der Maschine, kennzeichnet durch das Präteritum. Im folgenden Verlauf versucht Bernhard den Menschen vor Augen zu führen, wie human sie Maschinen behandeln, obwohl diese Anja Sieger – Lehrkraft für besondere Aufgaben – Fachdidaktik Deutsch Das Material ist ausschließlich für den studentischen Gebrauch zu benutzen. Gefühle nicht verstehen können. Das beste Beispiel in der heutigen Zeit ist das Reden mit dem Computer. Die Maschine wird von Musik begrüßt. Gerade dies klingt bereits sehr paradox, da es für Maschinen nicht möglich ist Musik zu verstehen. Gleichwohl stehen die angenommen Hüte der Menschen für Respekt gegenüber der Maschine, vergleichbar mit dem Hutabnehmen vor dem Betreten einer Kirche. Auch Respekt kann eine Maschine nicht verarbeiten. Mit diesem Beispiel möchte uns der Autor unser kindisches Verhalten, die Maschine als menschliches Gegenüber zu betrachten, vor Augen führen und die Verdrängung des Menschen als Kommunikationspartner oder Respektperson kritisieren. Nach der Rückblende wechselt die Zeitform wieder zum Präsens, was auf die Fortführung der Handlung schließen lässt. Sofort führte der Autor das Ölen der Maschine an, was wieder die Maschine entfremdet und eine Distanz zum Leser schafft, da kein Mensch Öl braucht. Hier spielt auch wieder die Kritik des Autos eine Rolle, da eine Maschine, sei sie noch so perfekt, stets von Menschenhand gepflegt werden muss Das Mädchen, welches die Maschine ölen soll wird bei diesem Versuch geköpft. Hiermit steht das Köpfen des Mädchens als Metapher für die Ermordung der Menschheit durch Maschinen. Das Gefühlsbetonte und fehlerhafte Geschöpf, gekennzeichnet durch das Ausrutschen des Mädchens, verliert gegen den gefühlskalten perfekten Automaten. Dies ist wohl die eindeutigste Stelle, an der meine Deutungshypothese greift. Die Maschine kann nicht zwischen Lebewesen und toter Gummimasse unterscheiden. Um genau diesen Vergleich zu unterstützen hat Thomas Bernhard die Gummimasse als Inbegriff des Künstlichen und Toten gewählt. Beim Pflegen der Maschine stirbt das Mädchen. Will man demnach die Maschine am Leben erhalten stirbt der Mensch. Hier findet man den direkten Bezug zwischen Mensch und Maschine. Beide liegen auf einer Waage. Wird die eine Seite unterstützt kommt die Waage aus dem Gleichgewicht. Gleichzeitig verliert das Mädchen seinen Kopf, welcher unsere Handlungen auswertet und denkt. Somit stellt das Köpfen symbolisch das Vernichten des menschlichen Denkens dar. Gerade dies aber unterscheiden den Menschen von Tieren oder Gegenständen und so verliert der Mensch durch die Maschine seinen angestammten Platz in der Welt. Genau dieser Verlust des Denkens kommt nun im folgenden zum Einsatz: Die Arbeiterinnen zeigen keinerlei Gefühle als Reaktion auf den Mord. Sie können nicht schreien oder Entsetzen zeigen. Dies ist die Folge der Endhumanisierung durch die Maschine. Auch verpacken sie den menschlichen Kopf wie Gegenstände in einen Karton, was noch einmal das Sterben der Menschheit verdeutlicht. Gewöhnt an den Takt und den Arbeitsrhythmus der Maschine führen Sie ihre Normale Arbeit durch. Zusammenfassend kann man sagen, dass das Machterlangen von Maschinen ein großes Problem für die Menschheit darstellt. Viele Menschen verlieren ihre Arbeit, der Maschine wegen und werden in die Arbeitslosigkeit gedrängt. Somit halte ich die Kritik Thomas Bernards an diesem Vorgang für gerechtfertigt. Und sehe meine Deutungshypothese bestätigt. Seine erschreckende Art Fakten anderen Menschen vor Augen zu führen ist wohl die beste Ausdrucksmöglichkeit dieses Problems. Es gibt bereits Menschen, einschließlich mir, die den Grundsatz vertreten: „Warum das Auto nehmen, wenn man laufen kann.“

ki.1698329881.txt.gz · Zuletzt geändert: von christian